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Geschichte der Schächli Baugenossenschaft Dietikon

Interniertenlager “In den Linden”

Gründung der Genossenschaft

1947 herrschte in vielen Gemeinden und Städten eine grosse Wohnungsnot. Um die dringendsten Obdachlosenfälle bewältigen zu können, mietete der Gemeinderat Dietikon das leer gewordene Flüchtlingslager “In den Linden” (obere Gyrhaldenstrasse). Einige Familien hausten in leer stehenden Schulzimmern, und eine Familie war vorübergehend sogar im Sitzungszimmer des Gemeinderates untergebracht.

1948 verlangte die Schulpflege die Räumung der Schulzimmer, weil sie diese wieder für Unterrichtszwecke benötigte. Ausserdem wurde die Situation im Barackendorf unerfreulich, und es entwickelte sich zu einem Slum. Bei der damaligen Gemeindefürsorgerin Paula Jucker und bei der Gemeindepolizei häuften sich die Klagen über die unmöglichen Zustände im Barackenlager.

Paula Jucker hatte damals durch einen Bekannten erfahren, dass in Wettingen eine Siedlung für sozial schwächer gestellte Familien erstellt wurde. Sofort wurde mit Bauherren, Architekt und Bauleitung Kontakt aufgenommen und Robert Müller, damaliger Gemeindegutsverwalter, war überzeugt, auf gleiche Art auch für Dietikon eine zweckmässige Lösung gefunden zu haben. Er zeigte dem Architekten das der Bürgergemeinde gehörende Grundstück an der Schächli-Überlandstrasse und fragte, ob er auch in Dietikon gleiche Wohnungen bauen könne.

Im Juni 1948 überbrachte Architekt Messerer einen Situationsplan mit dem Vorschlag, auf dem Grundstück 18 Vierzimmer- und 18 Dreizimmer-Wohnungen zu erstellen. Noch im gleichen Monat unterbreitete Robert Müller einer Delegation des Gemeinderates den Vorschlag:

Bereits am 29. Juni 1948 genehmigte der Gemeinderat den Baurechtsvertrag, welchem am 23. Juli 1948 auch die Bürgergemeindeversammlung zustimmte. Am 20. Juli 1948 genehmigten sechs Behördemitglieder und Robert Müller die Statuten der damals noch „Bau- und Mietergenossenschaft Schächli“ genannten Genossenschaft und bildeten einen fünfköpfigen Vorstand mit Kaspar Siegrist, Gemeinderat, als Präsident und Robert Müller als Verwalter.

Über den Gemeindebeitrag von 70 000 Franken zur Förderung des Wohnungsbaus entbrannte trotz deutlicher Zustimmung in der Gemeindeversammlung ein heftiger Abstimmungskampf. Man warf der jungen Genossenschaft unter anderem vor, der Vorstand sei ungeeignet und verfüge absolut über keine Bauerfahrung, man wolle billig bauen und hole später einfach einen Nachtragskredit ein, es sei ein Wagnis, dass in Dietikon ein weisser Rabe auf solch billige Art bauen könne und man schüttle in Zürich darüber den Kopf. Trotzdem wurde der Kredit an der Urnenabstimmung vom 23. August 1948 mit 770 Ja gegen 374 Nein angenommen

Die Siedlung Schächli im Jahre 1949

Erste Überbauung: Schächli

Am 6. September 1948 griff der Bagger ins Erdreich und die Bauarbeiten im Schächli konnten beginnen. Bereits Ende März und Ende April 1949 zogen 36 Familien mit 82 schul- und vorschulpflichtigen Kindern ein. Aus heutiger Sicht erscheint es als ein Wunder, in welch kurzer Zeit – neun Monate – alles bewältigt werden konnte. Die Bauabrechnung ergab eine erfreuliche Überraschung. Statt der geplanten 1 033 000 Franken beliefen sich die Kosten auf nur 854 245 Franken. Die monatlichen Mietzinse betrugen damals für die Dreizimmerwohnungen 68 Franken und für die Vierzimmerwohnungen 81 Franken. Die Wohnungen verfügten allerdings noch über keine Zentralheizung, und die Mieter mussten in der Wohnstube und Küche selber heizen, wie es damals üblich war.

Kindergarten Lindenbaum

Die Schächli auch im Dienst der Gemeinde

In den fünfziger Jahren setzten sich die Verantwortlichen der Schächli, damals unter dem Namen „Gemeinnützige Baugenossenschaft Schächli Dietikon“, auch uneigennützig für die Gemeinde ein. Sie kaufte oder ersteigerte Liegenschaften und Land und entzog es damit der Spekulation. Grundstücke und Gebäude wurden zu den gleichen Bedingungen an die Gemeinde weitergegeben. So unter anderem eine Liegenschaft zur Arrondierung des Zelgliplatzes oder das Wohnhaus mit landwirtschaftlichen Gebäuden und 3972 m2 Land an der Schöneggstrasse, wo heute das Berufsbildungszentrum steht.

In den Jahren 1952/53 erstellte die Schächli an der Vorstadtstrasse einen Kindergarten und 1959/60 einen zweiten Kindergarten an der Bleicherstrasse. Man wollte damit der Gemeinde beweisen, dass man preiswerter bauen konnte. Die beiden Kindergärten sind heute noch an die Schule vermietet.

Überbauung Langbire

Überbauung Langbire

Dem Ruf nach preisgünstigen Wohnungen folgend erwarb die Schächli an der Urdorferstrasse ein Wohnhaus mit Scheune und Schöpfen samt 10’506 m2 Land.

In den folgenden Jahren tätigte sie in dieser Umgebung weitere Zukäufe und auch einige Verkäufe, was zu einem abgerundeten baureifen Grundstück zwischen Schönegg- und Hofackerstrasse führte.

1961 war die Überbauung, bestehend aus 3 Doppelmehrfamilienhäusern mit 48 Vierzimmerwohnungen vollendet.

Alterssiedlung Schöneggstrasse

Alterswohnungen

1954 fasste die Schächli den Entschluss, dass trotz der gewaltigen Zunahme der jungen Bevölkerung die Betagten nicht vergessen werden sollen. So entstanden 1957 an der Bleicherstrasse, (Lindenbaum) die ersten 16 Alterswohnungen. Weit herum galt dieses Haus jahrelang als Musterlösung, war es doch der erste Alterswohnungsbau mit Badezimmern.

Die Mieten waren den spärlichen Altersrenten angepasst und betrugen damals 95 Franken für eine Zweizimmerwohnung und 85 Franken für eine Einzimmerwohnung.

1961 folgten weitere 16 Alterswohnungen an der Hofackerstrasse 2,1973 18 Alterswohnungen an der Gyrhaldenstrasse 32 und 1976 19 Alterswohnungen an der Schöneggstrasse 29.

Die Siedlung Langbire mit neuen Balkonen

Unterhalt, Erneuerungen und Umbauten

In den Neunzigerjahren kamen grössere Baubestände in eine umfassende gebäudetechnische Erneuerungsphase. Nebst der Werterhaltung verlangten die gesteigerten Ansprüche an die Wohnqualität, die Bauökologie und der Umweltschutz eine umfassende Überprüfung des Liegenschaftsbestandes. So wurden die Familienwohnungen Schächli, Langbire und Schöneggstrasse sowie die Alterswohnungen Hofackerstrasse und Bleicherstrasse saniert, unter anderem mit neuen Fenstern und Balkonanbauten. Die Alterssiedlung Gyrhaldenstrasse erfuhr 2004 einen umfassenden Umbau mit Zusammenlegungen zu grösseren Wohneinheiten. Für Sanierungen, ohne Unterhalts- und Reparaturkosten, wurden in dieser Zeit rund 6 Millionen Franken investiert.

Die Siedlung Stelzenacker

Überbauung Stelzenacker

1992 begannen Gespräche mit der Stadt Dietikon über ein Bauareal an der Stelzenackerstrasse zur Übernahme im Baurecht. Gleichzeitig wurde die Genossenschaft darauf aufmerksam gemacht, dass die reformierte Kirchgemeinde als Eigentümerin des Nachbargrundstückes an einer gemeinsamen Überbauung interessiert sein könnte. Die Kirchenpflege beabsichtigte, an diesem Standort eine Quartierstation mit Pfarrhaus zu erstellen.

Aus verschiedenen Gründen, vorab aus finanziellen, liess die reformierte Kirchenpflege das Projekt aber fallen worauf die Schächli beschloss, auf dem Land der Stadt einen eigenen Bau mit 22 Wohneinheiten und 30 Autoabstellplätzen zu realisieren, der 1999 bezogen werden konnte.

Geplanter Neubau Schachenmatt

Neuüberbauung Schächli

Da ein Umbau mit energetischer Sanierung der Bauten aus dem Jahre 1948 unverhältnismässig hohe Kosten verursacht hätte, entschied sich die Schächli im Jahre 2005 für eine Neuüberbauung des Areals. Diese sollte im Rahmen eines Gestaltungsplans erfolgen, welcher eine höhere Ausnützung erlauben würde. Das Verfahren zog sich aber unerwartet in die Länge, unter anderem weil auch Dritteigentümer und die SBB betroffen waren, und der Gestaltungsplan „Schächli“ trat erst im Dezember 2010 in Kraft. Er umfasst drei Gebäudekomplexe; zwei davon werden von der Schächli realisiert, eines von der Siedlungsgenossenschaft Eigengrund, welche von den Dritteigentümern und den SBB das Land erworben hatte.

Mit den Bauarbeiten wurde, nachdem Rekurse eine neunmonatige Verzögerung bewirkt hatten, am 25. Juli 2012 begonnen.

Landerwerb für die Zukunft

In den Jahren 2007 und 2011 konnte die Genossenschaft zwei Nachbargrundstücke der Liegenschaft Schöneggstrasse 29 erwerben. Gemäss Studien können auf dem arrondierten Areal bis zu 60 Wohnungen erstellt werden.